Prävention sexualisierter Gewalt im Sport

Prävention sexualisierte Gewalt im Sport

Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport

Gegen sexualisierte Gewalt im Sport

Ø      Schweigen schützt die Falschen

Ø      Bundeskinderschutzgesetz – Erweitertes Führungszeugnis / § 72a SGB VIII

Ø      Qualitätsbündnis zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport

Ø       Anne, Tore sind wir stark

Ø       Fachberatungsstellen

 

Schweigen schützt die Falschen - Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport
Das Thema Kindeswohlgefährdung - Sexualisierte Gewalt an Mädchen, Jungen und jungen Erwachsenen ist ein gesellschaftliches Querschnitts-Problem, dem sich auch der organisierte Sport als wichtiger Teil unserer Gesellschaft stellen muss und auch tatsächlich stellt.

Es ist unser Schutzauftrag als Verbände und Vereine sowie als Trainerin oder Trainer, eine gewaltfreie Atmosphäre im Verein zu schaffen, die Mitglieder und Mitarbeiter/innen für das Thema sexualisierte Gewalt an Mädchen, Jungen jungen Erwachsenen im Sport aufzuklären und zu sensibilisieren. Zum Schutzauftrag der Sportvereine und Sportverbände für die besonders zu schützende Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen gehört es ebenso Maßnahmen zur Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport zu erarbeiten, diese zu kennen und innerhalb unserer Verbands-/Vereinsstrukturen zu verankern.

Wir sehen "Prävention gegen sexualisierte Gewalt im Sport" als Querschnittsaufgabe und setzen auf
Vernetzung mit den örtlichen Fachberatungsstellen sowie der Arbeitsgemeinschaft nach § 78 Kinder- und Jugendhilfegesetz in Köln.

Auch im Rahmen unserer Qualifizierungsarbeit wollen wir das Thema enttabuisieren. Jede/r neu auszubildende Übungsleiter/in nimmt verpflichtend an einer Impulsveranstaltung zum Thema
"Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport" innerhalb der Übungsleiterausbildung teil. Ziel ist es, die in Vereinen tätigen Trainer/innen und Übungsleiter/innen zum Thema zu sensibilisieren.

Der Landessportbund NRW gilt seit langem als führend bei der Entwicklung und Umsetzung von präventiven Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt im Sport.

Im Rahmen der Kampagne „Schweigen schützt die Falschen“ wollen wir den Kölner  Sportvereinen
konkrete Hilfestellung geben, um

  • das Thema zu enttabuisieren
  • präventiv tätig zu werden
  • und in Krisen- und Verdachtsfällen Orientierung zu erhalten und damit handlungsfähig zu sein

Wir sichern Ihnen eine vertrauensvolle, kompetente Beratung und Hilfe zu.

Haben Sie Fragen?

Dagmar Ziege                         
Fachkraft zur Koordinierung des Qualitätsbündnisses zum Schutz vor sexualisierter Gewalt
im Sport in Köln und im Rheinland                                                                              
Telefon: 0221/ 921 300 23                                                                               
E-Mail: ziege@stadtsportbund-koeln.de

 

Materialiendownload

-       Ehrenkodex

-       Handlungsleitfaden für Sportvereine

-       Elternkompass - Unterstützung für die Elternarbeit

-       Antrag auf Vereinsberatung zum Thema Schweigen schützt die Falschen

-       Anmeldeformular_VIBSS_2016.pdf

Bitte diese Formulare zunächst an den SSB Köln  schicken. Die Antragsstellung läuft über den
SSB Köln

 

§72 a SGB VIII – Erweitertes Führungszeugnis

Bundeskinderschutzgesetz betrifft auch Sportvereine

Am 01.01.2012 trat ein neues Bundeskinderschutzgesetz in Kraft. Mit der Neufassung des § 72a SGB VIII beabsichtigt der Gesetzgeber, die Kinder und Jugendlichen besser vor den Folgen sexualisierter Gewalt in der Jugendarbeit zu schützen. Die Träger der Jugendarbeit (also auch die Sportvereine) müssen nun sicherstellen, dass keine Personen in der Jugendarbeit beschäftigt werden, die wegen einer sexuell motivierten Straftat vorbestraft sind.

Die persönliche Eignung der Mitarbeiter/innen soll in Form von Einholung erweiterter Führungszeugnisse periodisch überprüft werden.
Hierzu hat das Jugendamt die Aufgabe, mit den Sportvereinen, die in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sind, eine entsprechende Vereinbarung zu unterschreiben.

Hier finden Sie alle notwendigen Informationen und Materialien zu dem neuen Bundeskinderschutzgesetz und zu der Vorgehensweise zum Thema „Vereinbarung nach §72a SGB VIII“ und „Beantragung erweitertes Führungszeugnis“

Materialdownload

-       Vereinbarung nach § 8a und §72a SGB VIII

-       Sexualisierte Gewalt – Rechtsfragen DOSB/DSJ

-       Bundeskinderschutzgesetz

 

Regelungen zum Umgang mit dem erweiterten polizeilichen Führungszeugnis treffen und umsetzen

Folgende Empfehlungen werden ausgesprochen:

Hauptamt:
Nach § 72a SGB VIII sollte von allen hauptberuflich beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kinder- und Jugendarbeit im Sportverein/-verband ein erweitertes Führungszeugnis eingesehen werden. Im Sinne von Transparenz, Vorbildfunktion und Gleichbehandlung sollten alle hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen.

Ehrenamt:
Der Verein legt fest, ob er von ehrenamtlich Tätigen erweiterte Führungszeugnisse einsehen möchte. Ehrenamtlich Aktive können das erweiterte Führungszeugnis kostenfrei beantragen, wenn eine Bescheinigung des Sportvereins oder Sportverbandes über die ehrenamtliche Tätigkeit und der Anforderung des Führungszeugnisses auf Grundlage von § 72 a SGB VIII beigefügt wird.

HINWEIS:
Für die Einsichtnahme in das erweiterte Führungszeugnis gelten strenge Regelungen zum Einhalten des Datenschutzes. Das erweiterte Führungszeugnis selbst (oder eine Kopie dessen) darf nicht archiviert werden.  Lediglich die Dokumentationsliste über die Einsicht in das erweiterte Führungszeugnis darf archiviert werden. Das Führungszeugnis selbst bleibt im Besitz des Übungsleiters/Betreuers.

 

Materialdownload

Einverständniserklärung zum Datenschutz

Dokumentationsliste

Bestätigung für Ehrenamtliche zur Vorlage beim Einwohnermeldeamt

Bestätigung für Hauptamtliche zur Vorlage beim Einwohnermeldeamt

 

Qualitätsbündnis zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport

Das Qualitätsbündnis hat sich zum Ziel gesetzt, sexualisierter Gewalt im Sport wirksam vorzubeugen und diese zu bekämpfen. Dazu werden maßgeschneiderte Qualitätsstandards zur Prävention und Intervention gemeinsam entwickelt und innerhalb der Vereinsstruktur installiert. Zentraler Gedanke dahinter ist die enge Vernetzung und der Transfer von Fachwissen. An der auf zwei Jahre angelegten Testphase beteiligten sich insgesamt 35 NRW-Sportvereine, von denen 27 ausgezeichnet und im September 2016 in Duisburg als erste Mitglieder begrüßt wurden. Die Vereine wurden von den Koordinierungsstellen in Köln und Westfalen während der Testphase zielführend unterstützt.

Zu den Partnern im Qualitätsbündnis, dessen landesweite Umsetzung nun erfolgt, gehören neben dem
Landessportbund NRW und dem Sportministerium NRW, der die Maßnahme finanziell fördert, außerdem die Sportjugend NRW, der SSB/SJ Dortmund, die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW, der Kinderschutzbund NRW, der Stadtsportbund Köln sowie die Deutsche Sporthochschule Köln als
wissenschaftliche Begleitung.

 

Ziele:

- Entstehung eines NRW weiten Bündnisses von Verbänden und Vereinen gegen sexualisierte
  Gewalt

- Prävention von sexualisierter Gewalt als besonderes Qualitätsmerkmal in Sportvereinen verankern

- Vorbeugung sexualisierter Gewalt

- Sportvereine dabei unterstützen, die Prävention gegen sexualisierter Gewalt in ihrem zu verankern;
  eine Kultur der Achtsamkeit zu entwickeln

- Entwicklung von Qualitätsstandards zur Prävention und Intervention gegen sexualisierter Gewalt im
  Sportverein

Die Sportvereine haben die Möglichkeit, Teil dieses Qualitätsbündnisses zu werden. Hierzu müssen
entsprechende Kriterien erfüllt werden.

Kriterien:

- Information des Vereinsvorstandes

- Information, Diskussion und Beschluss auf der Jahreshauptversammlung

- Ergänzung der Satzung

- Benennung einer Ansprechperson

- Vorlage des erweiterten Führungszeugnisses aller Vereinsmitarbeiter/innen

- Unterschrift Ehrenkodex des LSB NRW

- Fortbildung zur Prävention gegen sexualisierter Gewalt

- Information der Vereinsmitglieder

- Entwicklung eines Interventionsleitfadens

- Angebote für Kinder/Jugendliche / Partizipation am Präventionsprogramm

- Nachhaltigkeit – kontinuierliche Pflege der Qualitätskriterien

Sportvereine, die interessiert daran sind, Teil des Qualitätsbündnisses zu werden, können sich an den Stadtsportbund Köln  wenden, der die Sportvereine bei der Umsetzung der Kriterien unterstütz.


Flyer Qualitätsbündnis für Vereine


Anne Tore – sind wir stark!

 

Präventionstheaterprogramm für Kinder im Alter von 8 – 11 Jahren zum Thema
„Grenzüberschreitungen und sexualisierte Gewalt im Sportverein“

Im Rahmen des Pilotprojektes „Qualitätsbündnis zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport“ im Land NRW wurde in enger Zusammenarbeit mit StadtSportBund Dortmund e. V. und Landessportbund NRW von und mit der Dortmunder Theaterpädagogin Anja Bechtel das Theaterstück „Anne, Tore – sind wir stark“ entwickelt.

Das Präventionstheaterprogramm vermittelt mit Leichtigkeit, Witz und Charme den Kindern Mut machende Inhalte zum Thema Gefühle, Berührungen und Hilfe holen. In den einzelnen Szenen geht es um unterschiedliche Situationen im Sport und in unterschiedlichen Sportarten, die Grenzverletzungen im
sportlichen Vereinsleben beschreiben und den Umgang damit thematisieren.

Die Kinder im Publikum werden in das Theaterstück mit einbezogen und können mittels roter, gelber und grüner Karten eine Rückmeldung geben, wie sich die Kinder in der gerade vorgespielten Szene ihrer Meinung nach fühlen.

Nach dem Theaterstück arbeiten Kinder, Mädchen und Jungen nach Geschlechtern getrennt, Eltern und Übungsleiter/innen in getrennten Gruppen in Workshops das Gesehene auf und besprechen und vertiefen die dargestellten Situationen.

Das Angebot kann auch durch Sportvereine gebucht werden, die nicht am Qualitätsbündnis teilnehmen.
Nähere Angaben dazu erhalten Interessierte über den Stadtsportbund Köln.

Im Paket:

-       Theaterstück (45 Minuten)

-       Workshop für die Mädchen und Jungen (45 Minuten)

-       Eltern- und Trainerinnen- und Trainerinformationsveranstaltung (45 Minuten)

Materialdownload

- Auftrittsanforderungen

- Vertrag Anne Tore

Flyer Anne Tore

- Antrag Sonderförderung

Adressen übergeordnet:

Kinderschutzbund
0202 / 74 76 588-0, info@dksb-nrw.de
Kontaktdaten der Orts- und Kreisverbände unter www.kinderschutzbundnrw.de

Kinder- und Jugendtelefon (Nummer gegen Kummer e.V.) 
Tel.: 116 111  montags bis freitags von 15:00 bis 19:00 Uhr bundesweit besetzt  - 
die anrufende Nummer wird nicht angezeigt
Elterntelefon: 0800/ 110 550 - www.kinderjugendtelefon.de

Jugendschutzstelle für Jungen und Mädchen 
0228/ 38 63 02 30 oder 0228/ 38 63 02 55, http://www.bkejugendberatung.de
(anonyme Internetberatung) 

Wildwasser e.V. Hilfe und Info für von sexuellem Missbrauch Betroffene, Angehörige und Freunde.
Telefonnummern der regionalen Ansprechstellen unter www.wildwasser.de

Dunkelziffer e.V.  Hilfe für sexuell missbrauchte Kinder
Telefon: 040/ 42 10 70 00 www.dunkelziffer.de

Hotline „N.I.N.A.“ für Eltern, Verwandte, Pädagogen sowie Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe
Rufnummer 01805/ 12 34 65 - Datenbank von Beratungsstellen gegen sexuelle Gewalt http://www.nina-info.de

Suse-hilft - Frauen und Mädchen mit Behinderung stärken www.suse-hilft.de

Hilfe für die Opfer von Gewalt kostenlose bundesweite Hotline rund um die Uhr für Frauen unter der Respektvoller Umgang mit Grenzen - Rufnummer 08000/ 11 60 16; dort können entsprechende Hilfsangebote vor Ort vermittelt werden

Frauenhauskoordinierungsstelle
030/ 92 12 20 - 837-84 www.frauenhauskoordinierung.de
mit Hilfsangeboten vor Ort

Opferschutz „Weisser Ring“ bundesweit unter 
0800/ 080 034 3 und 01803/ 34 34 34 www.weisser-ring.de

Hilfe und Beratung für Täter www.taeterarbeit.com

Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“

Homepage: www.kein-taeter-werden.de

Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ bietet ein durch die Schweigepflicht geschütztes Behandlungsangebot für Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen und deshalb therapeutische Hilfe suchen - E-Mail: v.schattenberg@die-bruecke-dortmund.de, 0231/ 31 73 10 – 80

Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz www.bag-jugendschutz.de

Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ
Telefon: 030/ 40 04 02 00 www.agj.de

Hilfeportal sexueller Missbrauch
Homepage:  www.hilfeportal-missbrauch.de

Hilfetelefon sexueller Missbrauch
Telefon: 0800/ 225 55 30

Adressen vor Ort:

Fachberatungsstellen in Köln

LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V. - engagiert sich praktisch für Mädchen und junge Frauen
0221 / 45 35 56 60 - www.lobby-fuer-maedchen.de
www.facebook.com/LobbyfuerMaedchen


Kinderschutzbund Köln
0221/ 577 77 0 – www.kinderschutz.koeln

Zartbitter Köln – Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen
022 1/ 31 20 55 - www.zartbitter.de

Stadt Köln Amt für Kinder, Jugend und Familien - Abteilung Kinderinteressen und Jugendförderung
0221/ 221 – 270 36 – www.stadt-koeln.de

Polizei Köln
https://koeln.polizei.nrw/kriminalpraevention

 

 

 

 

 

Erstes nationales Hearing zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Sport

Am vorigen Wochenende hat in Frankfurt am Main die bislang erste Anhörung von Betroffe-nen sexualisierter Gewalt im Sport stattgefunden. Das Hearing wurde von der Deutschen Sporthochschule Köln im Rahmen des von der EU geförderten Projektes VOICE durchgeführt, in Kooperation mit der Deutschen Sportjugend im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sowie dem Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) Bundesverband e.V.

Fünf ehemalige Sportlerinnen und Sportler berichteten im Hearing über ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt im Sport. Rund 50 ausgewählte Gäste aus dem Bereich des organisierten Sports, der Sportpolitik und dem Opferschutz hörten die Berichte der Betroffenen an, um daraus zu lernen und Konsequenzen für die Weiterentwicklung des Schutzes von Kindern und Jugendlichen im Sport zu ziehen.

Das EU-Projekt „Voices for truth and dignity“ verfolgt das Ziel, sexualisierte Gewalt im Sport wis-senschaftlich aufzuarbeiten und rückt dabei die Erfahrungen der Betroffenen ins Zentrum. In allen acht beteiligten Ländern werden Interviews mit Betroffenen geführt und nationale Anhörungen ausgerichtet. „Ein besonderer und bewegender Tag“ – so das Fazit der Projektleiterin Dr. Bettina Rulofs, Sportsoziologin an der Deutschen Sporthochschule Köln. „Mit dem Hearing wollten wir eine vertrauensvolle Begegnung von Betroffenen und FunktionsträgerInnen im Sport ermöglichen. Die Betroffenen haben über ihre Gewalterfahrungen berichtet, sie wurden angehört und anerkannt. Für beide Seiten – die Betroffenen und die Sportorganisationen – ist dies ein wichtiger Schritt bei der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt.“

Beim Hearing sprach ein ehemaliger Fußballspieler eindrücklich davon, wie er seine Leidenschaft für den Fußball plötzlich verlor, als er in einem Trainingslager durch seinen Jugendtrainer einen sexuellen Übergriff erfuhr.

„Ich habe damals niemandem davon erzählt. Ich wollte nur noch weg von dem Verein. Jahrelang trug ich diese Erfahrung in mir. Jetzt ist es an der Zeit, darüber zu reden.“ – so die Aussage des früheren Fußballspielers.

Die Berichte der Betroffenen beim Hearing beziehen sich auf unterschiedliche Sportarten und verschiedene Zeiten. So waren z.B. auch ehemalige Leistungssportlerinnen aus der früheren DDR anwesend und berichteten über ihre Kindheit zwischen Leistungsdruck, Schmerzen, emotionaler, körperlicher und sexualisierter Gewalt. Eine der Betroffenen formulierte beim Hearing:

„Es hat niemand die Verantwortung übernommen, uns in diesem System zu schützen. Wir waren Kinder. Ich wünsche mir, dass unser Leid anerkannt wird und die Sportverbände sich dafür einsetzen, dass so etwas nie wieder passiert.“ 

Dass sexualisierte Übergriffe ein gesamtgesellschaftliches Problem sind, das auch nicht vor dem Sport halt macht, bestätigen Befunde einer Studie der Deutschen Sporthochschule Köln, des Universitätsklinikums Ulm und der Deutschen Sportjugend. Rund ein Drittel der befragten KaderathletInnen in Deutschland hat eine Form von sexualisierter Gewalt im Kontext des Sports erfahren, eine/r von neun schwere und/oder länger andauernde sexualisierte Gewalt. Nur wenige Betroffene finden den Mut, in der Öffentlichkeit oder im Rahmen eines organisierten Hearings über ihre Erfahrungen zu berichten. Einige der Mitwirkenden im Projekt VOICE blieben daher bei dem Hearing in Frankfurt anonym.

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, betonte in seiner Begrüßungsrede: „Ich danke den Sportlerinnen und Sportlern, die sich im Rahmen von VOICE mit ihren Erfahrungen anvertrauen und damit auch den vielen Betroffenen eine Stimme geben, die nicht die Kraft dazu haben. Der organisierte Sport hat als wichtiger gesellschaftlicher Player eine zentrale Verantwortung bei Aufarbeitung und Prävention und kann entschieden dazu beitragen, die Gesellschaft weiter zu sensibilisieren. Angesichts des enormen Ausmaßes von Kindesmissbrauch dürfen wir nicht nachlassen, den Kampf gegen diese perfide Gewalt dauerhaft und mit ganz anderen Mitteln zu führen. Mit der künftigen Bundesregierung möchte ich hierzu ein neues Kapitel aufschlagen, bei dem ich auch den Sport weiterhin als wichtigen Verbündeten sehe!“

Prof. Sabine Andresen, Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs und Vizepräsidentin des DKSB Bundesverbandes e.V. übernahm die anspruchsvolle Aufgabe der Moderation des Hearings. Mit Hilfe ihrer Vermittlung tauschten sich die Beteiligten in Frankfurt auch dazu aus, welche Schlussfolgerungen aus den Berichten der Betroffenen zu ziehen seien. Einig waren sich die Teilnehmenden, dass auch im Sport das Schweigen über sexualisierte Gewalt gebrochen werden und eine systematische Aufarbeitung stattfinden müsse. Dazu gehören weitere Anhörungen und wissenschaftliche Untersuchungen zu den Fällen. Die Betroffenen und Opfer sowie Kinderschutzorganisationen fordern vor allem mehr Fachberatungsstellen sowie Ressourcen und Unterstützung beim Umgang mit den Folgen von sexualisierter Gewalt.

Die Deutsche Sportjugend setzt sich als Dachverband der Jugendorganisationen im DOSB in den letzten Jahren verstärkt für den Schutz vor sexualisierter Gewalt ein.

Jan Holze, der Vorsitzende der Deutschen Sportjugend, resümiert zum Schluss des Hearings: „Der heutige Tag hat uns darin bestätigt, wie wichtig es für den gemeinnützig organisierten Sport ist, einen intensiven und partnerschaftlichen Dialog mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt zu führen. Wir bedanken uns bei allen, die den Mut aufgebracht haben, von ihren Erfahrungen zu berichten und so einen wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung der Präventionsaktivtäten im Sport leisten.“                                                                                                                 

Weitere Informationen finden sich auf der Website des Projektes.

Das Forschungsprojekt VOICE wird mit Mitteln der EU für eine Laufzeit von zweieinhalb Jahren gefördert (Jan. 2016 – Juni 2018). Die Leitung des Projektes liegt bei Dr. Bettina Rulofs und Gitta Axmann an der Deutschen Sporthochschule Köln. An dem Projekt sind Universitäten, Sportverbände und Opferschutzorganisationen aus acht europäischen Ländern beteiligt. In Deutschland wird das Projekt von der Deutschen Sportjugend und dem Deutschen Kinder-schutzbund Bundesverband e.V. unterstützt.

(DOSB-PRESSE) Die Sport-Soziologin Dr. Birgit Palzkill hat ab sofort die ehrenamtliche Aufgabe als „Unabhängige Beauftragte zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen“ übernommen. Die ehemalige Spitzen-Leichtathletin und frühere Basketball-Nationalspielerin sowie mittlerweile pensionierte Lehrerin aus Köln war im Jahr 1998 mit ihrer Studie „Gewalt gegen Mädchen und Frauen im Sport“ der Auslöser dafür, dass sich der organisierte Sport systematisch mit der Prävention sexualisierter Gewalt befasst.

(c) LSB NRW | Foto: Andrea Bowinkelmann

Seitdem entwickelt der LSB verschiedene Maßnahmen unter dem Motto „Schweigen schützt die Falschen“. In ihrer neuen Funktion soll Birgit Palzkill diesen Maßnahmen ein konkretes Gesicht verleihen und das sensible Thema noch stärker in die breite (Sport)Öffentlichkeit tragen.

Drei Fragen an Birgit Palzkill

Seit über zweieinhalb Jahrzehnten engagieren Sie sich gegen sexualisierte Gewalt im Sport. Wo stand der organisierte Sport 1998, als Ihre initiale Studie erschien?

BIRGIT PALZKILL: Sexualisierte Gewalt war stark tabuisiert. Das Thema brach durch die skandalösen Berichte über den Stuttgarter Eiskunstlauftrainer Fajfr in den Sport ein. Es wurde versucht, dies als Ausnahme darzustellen. Wer es thematisierte, galt als Nestbeschmutzer.“

Jetzt haben wir 2017. Was hat sich verändert?

PALZKILL: Es war das Verdienst des LSB NRW und des Sportministeriums NRW, die Befunde unserer Studie aufzugreifen, das Thema immer wieder in die (Sport)Öffentlichkeit zu bringen, Fortbildungskonzepte und Kampagnen zu entwickeln. Der Sport in NRW war früh gut gerüstet. Die entwickelten Maßnahmen erfahren inzwischen eine ganz andere Akzeptanz.

Sie engagieren sich seit Anfang Mai im LSB NRW - was wird Ihre dringlichste Aufgabe sein?

PALZKILL: Den Verantwortlichen in den Vereinen die Angst zu nehmen, dass ein Klima von Misstrauen und Angst entstehen könnte, wenn sie sich um die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen in Bezug auf sexualisierte Gewalt kümmern. Das Gegenteil ist der Fall. Es geht darum, ein Klima von Achtsamkeit und Vertrauen aufzubauen.

Interaktives Theaterprogramm "Anne Tore - sind wir stark"

"Anne Tore sind wir stark" ist ein interaktives Theaterprogramm mit Witz, Gesang und mutmachenden Texten für Kinder im Alter von 8-12 Jahren zum Thema Prävention von sexualisierter Gewalt in Sportvereinen. Das zweistündige Programm beinhaltet Workshops für die Kinder sowie eine Informationsveranstaltung für Eltern, Trainerinnen und Trainer.


>>Safe Sport<< Schutz von Kindern und Jugendlichen im organisierten Sport in Deutschland

Erste Ergebnisse des Forschungsprojektes zur Analyse von Häufigkeiten, Formen, Präventions- und Interventionsmaßnahmen bei sexualisierter Gewalt.

Spot für den Sport

Wie Sie in Ihrem Verein Kinder und Jugendliche vor sexueller Gewalt schützen können:

Wir zeigen die rote Karte gegen sexuelle Gewalt

AK "Rote Karte" 

 Ziele des Arbeitskreises

• Sensibilisierung für das Thema im Sport
• Vereine befähigen, angemessen mit der Problematik umzugehen
• den Schutz von Mädchen und Jungen vor sexualisierter Gewalt im Sport
   erhöhen
• Abschreckung von Tätern und Täterinnen durch klare Haltung und
  Handlung des Vereins

Darüber hinaus haben wir ein Angebot für Übungsleiter/innen zur Aus- und Fortbildung - Übungsleiter/in-Lizenz-Verlängerung mit dem Thema: „Wir zeigen die rote Karte“ - Signale erkennen – richtig reagieren ! installiert, die seit August 2002 vom LandesSportBund NRW anerkannt wird.
   
Mitglieder des Arbeitskreises sind neben dem SSBK:
- LOBBY für Mädchen - Mädchenhaus Köln e.V.
- KK 61 - Kriminalprävention/Opferschutz der Polizei Köln
- Deutsche Sporthochschule Köln, Abt. Geschlechterforschung

In Kooperation mit dem Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern der Stadt Köln.

Schirmherren:
OB a.D. Jürgen Roters (2010-2015)
OB a.D. Fritz Schramma (2001-2010)

Homepage: www.rote-karte-koeln.de

QUALITÄTSBÜNDNIS GEGEN SEXUALISIERTE GEWALT IM SPORT
Projektzeitraum von September 2013 - August 2015

Pilotprojekt gibt Vereinen konkreten Handlungsleitfaden. Ein anspruchsvolles Pilotprojekt als weitere Stufe der internen Aufklärungskultur: Das vor kurzem gegründete Qualitätsbündnis hat sich zum Ziel gesetzt, sexualisierter Gewalt im Sport wirksam vorzubeugen und diese zu bekämpfen.

Dazu werden maßgeschneiderte Qualitätsstandards zur Prävention und Intervention gemeinsam entwickelt und innerhalb der Vereinsstruktur installiert. Zentraler Gedanke dahinter ist die enge Vernetzung und der Transfer von Fachwissen. An der auf zwei Jahre angelegten Testphase beteiligen sich insgesamt 35 NRW-Sportvereine.

„Mit dem Qualitätsbündnis wird nun das nächste folgerichtige Kapitel im Kampf gegen Missbrauch und sexualisierte Übergriffe im Sport aufgeschlagen, nachdem wir unseren Sportvereinen im Land bereits seit Jahren vielfältige Formen der Qualifizierung und Beratung anbieten“, betont Dr. Christoph Niessen, Vorstandsvorsitzender beim LSB NRW. Anstatt ein Qualitätssiegel oder ein Zertifikat zu etablieren, sollen interessierte Vereine nach Erfüllung bestimmter Kriterien selbst aktiver Teil des Bündnisses werden und dieses Engagement auch nach außen gegenüber ihren Mitgliedern und Förderern demonstrieren. Im Gegenzug erhalten die Vereine letztlich Handlungssicherheit, um präventiv tätig zu sein und im Einzelfall eine sachliche sowie angemessene Vorgehensweise zu entwickeln.

Handlungsleitfaden für Vereine als wichtiger Baustein
Darüber hinaus gilt der im Februar 2013 erstmals veröffentlichte „Handlungsleitfaden für Vereine - vorsorgen, erkennen, handeln“ als wichtiger Baustein für die Initiative „Schweigen schützt die Falschen“. In Kooperation mit der Landesregierung NRW engagiert sich der LSB NRW bereits seit 1996 intensiv bei der Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport. Ein eigenes Zehn-Punkte-Aktionsprogramm beinhaltet unter anderem einen aktualisierten Ehrenkodex, den Interventionsleitfaden für Vereinsvorstände oder den neu entwickelten Elternratgeber, der im Januar 2014 veröffentlicht werden soll. Außerdem richtet der LSB NRW über sein Vereins-, Informations-, Beratungs- und Schulungs-System (VIBSS) pro Jahr mittlerweile zwischen 80 und 100 Veranstaltungen mit rund 1.500 Teilnehmern zum Thema aus - vom Impulsreferat bis zum Qualifizierungsseminar.

Partner im Qualitätsbündnis
Zu den Partnern im Qualitätsbündnis gehören neben dem Landessportbund NRW und dem Sportministerium NRW, der die Maßnahme finanziell fördert, außerdem die Sportjugend NRW, der Kölner Arbeitskreis „Rote Karte gegen sexualisierte Gewalt im Sport“, der SSB/SJ Dortmund, die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW, der Kinderschutzbund NRW sowie die Deutsche Sporthochschule Köln als wissenschaftliche Begleitung. „Unser erster Gedanke ist die Prävention, hier gilt es Achtsamkeit und Wahrnehmung zu schulen. Vom Vorstand, den Übungs- und Gruppenleitungen, männlichen und weiblichen Trainern, Sportlern, Hausmeistern und Platzwarten bis zu den Eltern sind alle in die Thematik eingebunden“, verdeutlicht Jutta Barrenbrügge von der Koordinierungsstelle beim SSB Dortmund.

Die 35 Vereine im Überblick:

  • SG Langenfeld
  • Taekwondo Neuss
  • Blau-Weiß Hand
  • TSC Grün-Weiß Aquisgrana Aachen
  • Moerser TV
  • Heiligenhauser SV
  • TC Kottenforst
  • Yong Ho Rheinberg
  • Segelclub Unterbacher See
  • DJK Südwest Köln
  • Taekwondo Lethmathe 2000
  • Telekom-Post SG Köln
  • Rheydter SV Hockey und Tennis
  • TV Eiche Bad Honnef
  • Karate Dojo Ochi Troisdorf
  • DJK Eintracht Scharnhorst
  • TV Wanne 1885
  • TuS Hiltrup
  • TSC Eintracht Dortmund
  • TV von 1913 Verl
  • SV Westfalen Dortmund
  • SV Concordia Albachten
  • DLRG Beckum Stützpunkt Lippetal
  • TuS 06 Dröschede
  • VfL 1854 Kamen
  • TSV Handorf
  • TV Mesum
  • Ferienwerk Münster
  • BSV Wulferdingsen
  • Taekwondo Kocer
  • TURBO Schnecken Lüdenscheid
  • DLRG Ortsgruppe Unna
  • TG Stürzelberg 1961
  • DJK Westwacht 08 Aachen
  • VGSU Verein für Gesundheitssport und Sporttherapie.