26.02.09
Sport in Grundschullehrer-Ausbildung kein selbständiges Fach mehr
(Kinder-)Sportmediziner bestürzt über Beschluss der Kulturministerkonferenz
Mit großer Bestürzung haben die Gesellschaft für Pädiatrische Sportmedizin und die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) und ihre mehr als 10.000 Mitglieder den Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 16. Oktober 2008 zu den "Ländergemeinsamen inhaltlichen Anforderungen für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung" zur Kenntnis genommen. In einem Brief an den Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Henry Tesch (Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern), warnen die beiden Vorbände vor den Folgen des Beschlusses.
Wir sehen in den Zielen und Ausführungen im Studienbereich Ästhetische Bildung Kunst, Musik, Bewegung eine erhebliche Vernachlässigung der Bedeutung von Sport in der Grundschule. Durch die Zusammenlegung von drei wichtigen Fächern, die nur in Teilbereichen angeboten werden müssen (praktische Umsetzung in einem Teilbereich), besteht die große Gefahr, dass Sport nicht mehr obligater Teil der Grundschullehrerausbildung ist, heißt es in dem Brief an Minister Tesch.
Es ist eindeutig belegt, dass Sport nicht nur die physische, sondern auch die psychische Gesundheit, die soziale und kognitive Kompetenz unserer Kinder verbessert. Der 2. Kinder- und Jugendsportbericht sowie der Kinder- und Jugendgesundheitsreport KiGGS (Robert-Koch-Institut) unterstreichen zwingend den Bedarf, Bewegung und Sport auch und insbesondere im Grundschulbereich vermehrt zu fördern. Dafür sind ausgebildete Lehrkräfte von fundamentaler Bedeutung, wie bereits zahlreiche Studien belegt haben. Untersuchungen aus Deutschland und USA zeigen, dass sich durch ausgebildete Sportlehrer die effektive Bewegungszeit in Sportstunden verdoppeln ließ und somit eine Ökonomisierung in der gegebenen Zeit vorlag. In einer ähnlichen europäischen Untersuchung führte der zusätzliche Einsatz von Sportlehrern zu einer Steigerung der Fitness und zu einer Senkung der kardiovaskulären Risikofaktoren.
Es resultiert somit eine optimale Entwicklung von Körper und Geist, wenn regelmäßiger, möglichst täglicher Sportunterricht erfolgt. Die Sportärzte fordern daher die Verbesserung der Ausbildung im Bereich ‑Bewegung und Sport- und regelmäßige Sportstunden für alle Schüler.
Zitat Löllgen: ‑Unsere Kinder werden immer dicker und kränker. Das wird den Staat in zehn, zwanzig Jahren viele Milliarden kosten. Mit einem einfachen, aber guten Schulsportprogramm könnte man gegensteuern. Das wäre auch volkswirtschaftlich auf lange Sicht die preiswerteste Lösung.
Zitat Hebestreit: ‑Die Lebenswelten unserer Kinder haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Dadurch fehlt vielen Kindern körperliche Bewegung, die für eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung erforderlich ist. Gerade die Schulen könnten hier einen wesentlichen Ausgleich leisten, der jedem Kind zu Gute kommt. Da ein Mehr an gutem Sportunterricht auch die schulischen Leistungen in anderen Fächern verbessert, gewinnen alle: Kinder, Eltern, und Lehrer.

