Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention informiert

03.12.2010: Dem kann man abhelfen: Leistungseinbußen im mittleren Lebensalter gehen auf ungünstige Gewohnheiten und fehlendes Training zurück

Die Forschungsgruppe um Professor Dr. Dr. Leyk (Deutsche Sporthochschule Köln) untersucht in der seit 2005 laufenden PACE-Studie (Performance  Age  Competition  Exercise, www.dshs-koeln.de/pace) den Einfluss von Lebensgewohnheiten und körperlicher Aktivität bzw. Inaktivität auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Dazu werden einerseits gezielt sportlich aktive Gruppen (z.B. Läufer, Walker, Radsportler, Schwimmer, Turner, Krafttrainierende) und anderseits körperlich aktive und inaktive Erwerbstätige (z.B. Belegschaften von Unternehmen und Behörden), Rentner und andere Personengruppen untersucht.

Neue, verblüffende Daten gibt es bei 20- bis 80-Jährigen im Hinblick auf körperliche Aktivität, Training, Gesundheit und Leistung. Leyk und Kollegen nutzten Halbmarathon und Marathonwettbewerbe für ein leistungsphysiologisches Untersuchungsmodell und analysierten über 900.000 Laufzeiten. Überraschendes Ergebnis: Vor dem 55. Lebensjahr treten keine signifikanten Leistungsverluste auf. Ein Viertel der 60- bis 70-Jährigen Seniorensportler ist sogar schneller als die Hälfte der 20- bis 50-Jährigen. Ein anderer erstaunlicher Befund ist die große Zahl der über 50-Jährigen ‑Sport-Neueinsteiger: Ein Drittel der 50- bis 60-Jährigen und ein Viertel der 60- bis 70-Jährigen haben erst in den letzten fünf Jahren mit regelmäßigem Training begonnen.

Die PACE-Analysen zeigen, dass Leistungseinbußen im mittleren Lebensalter weniger auf biologische Alterung, sondern vielmehr auf ungünstige Alltagsgewohnheiten und fehlendes Training zurückzuführen sind. Der hohe Anteil der über 50-jährigen ‑Sport-Neueinsteiger zeigt zudem, dass auch ältere ‑Nichtsportler durch regelmäßiges Training bemerkenswerte Leistungen erzielen können.

Die Probleme von Inaktivät, Übergewicht und Stressbewältigung gelten nicht nur für die wachsende Zahl von älteren Personen und soziale Sicherungssysteme, sondern auch für die Menschen in der Arbeitswelt. Gesunde und leistungsstarke ältere Beschäftigte werden immer wichtiger, da viele der untrainierten Jüngeren alltäglichen beruflichen Anforderungen kaum noch genügen. Diese Entwicklungen führen verständlicherweise zu Fragen zur Leistungsfähigkeit und Trainierbarkeit im Altersgang.

Die Themen Alter, Gesundheit und Leistungsfähigkeit gewinnen durch die weite Verbreitung von Bewegungsmangel und Übergewicht, den demographischen Wandel und die verlängerte Lebensarbeitszeit zunehmend an Bedeutung. Die aktuelle Diskussion um die Rente mit 67 bedeutet auch eine verbesserte Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer im Alter durch Änderung des Lebensstils mit körperlicher Aktivität und regelmäßigem Training.

Die DGSP wird für das kommende Jahr Empfehlungen für diese Zielgruppen erstellen und publizieren. Die Daten der PACE-Studie sind unter anderem die Grundlage hierfür.

Im Focus der PACE-Studie stehen zurzeit die mit gesundheitlichen Risikofaktoren behafteten ‑Nicht-Sportler-, über die vergleichsweise wenig bekannt ist: Derzeit werden Befragungen und Untersuchungen von Nicht-Sportlern durchgeführt, um quantifizierbare Angaben über Ursachen sportlicher Abstinenz, aber auch Auslöser für körperliche Aktivität zu erhalten.

Keine Frage übrigens: Ein Marathon ist Nicht-Sportlern und Sporteinsteigern selbstverständlich nicht zu empfehlen.   

 

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