Bisher keine Antwort auf unseren offenen Brief an die Oberbürgermeisterin Henriette Reker und die Kämmerin Gabriele Klug

04.08.2017:

Der Stadtsportbund und die Sportjugend haben bezüglich des offenen Briefes vom 4. April an Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Kämmerin Gabriele Klug nachgehakt und die noch ausstehende Antwort eingefordert.

Wir halten Sie an dieser Stelle über die Entwicklung auf dem Laufenden.

 

Nachfolgend der offene Brief vom April

Sehr geehrte Frau Reker,
sehr geehrte Frau Klug,

der Haushalt für 2018 soll im Sommer vorliegen, so hat es der Stadtvorstand beschlossen. Sie wollen mehr Planungssicherheit erreichen für diejenigen, „die auf regelmäßige Zuschüsse angewiesen sind“– dazu gehören auch die Kölner Sportvereine. Das klingt nach einem Klotz am Bein, nach einem Bittsteller, dem man alljährlich wie selbstverständlich die Mittel kürzen kann. So liest man auch aktuell von „signifikanten Maßnahmen“ zur Verringerung des Fehlbetrages 2018 und dem Vorhaben, etliche Haushaltsposten kritisch zu hinterfragen. Vor diesem Hintergrund und der Aussage von Ihnen, Frau Klug, dass die einmalige Rückzahlung des Landschaftsverbandes nicht z.B. für Sportvereine zu verwenden sei, möchte der Stadtsportbund Köln noch einmal drauf hinweisen, was Vielen in der Stadtverwaltung scheinbar in dem Umfang nicht klar ist: Der Sport übernimmt mit seinen Vereinen eine Vielzahl öffentlicher Aufgaben der Gesellschaft. Eine Investition in den organisierten Sport ist nicht nur notwendig, sondern mehr als berechtigt!

Dass der Sport in Deutschland nicht als Kostenfaktor oder Leistungsempfänger zu betrachten ist, sondern als kostbares Investitionsgut, hat eine Studie der Deutschen Sporthochschule Köln bereits im Jahr 2013 gezeigt. Die produzierten wirtschaftlichen, steuerlichen und sozialen Renditen übertreffen in ihrem Wert den Investitionsbetrag deutlich.

Viele ehrenamtliche Vereinsmitglieder leisten trotz schlechter Hallensituation wertvolle Integrationsarbeit, Sportangebote sind Gesundheitsvorsorge und Rehabilitation, Sportvereine sind Orte der Begegnung und des Austausches… von der Sportjugend als größte Jugendorganisation in der Kommune ganz zu schweigen. Das sind nur einige Beispiele der Leistungen, die – so hat man das Gefühl – in der Stadtverwaltung als selbstverständlich wahrgenommen werden.

Alleine der reflexartige Ansatz, beim Thema Kürzungen direkt an die Sportvereine zu denken, zeigt die mangelnde Wertschätzung für den Sportbereich und für die durch Ehrenamtliche erbrachten Leistungen. Was ist das für ein Signal an den organisierten Sport, einerseits die Ehrenamtskarte einzuführen und gleichzeitig Mittel zusammenzustreichen? Gerade erst wurde der Sportentwicklungsplan in die Wege geleitet, schon drohen die nächsten Kürzungen. Nicht nur mit der seit 2004 andauernden unsäglichen Diskussion um die Abschaffung der Hallengebühren werden dem organisierten Sport in Köln Steine in den Weg gelegt.

Was passiert, wenn alle Leistungen der Sportvereine wegfallen, weil es sich mehr und mehr Vereine schlichtweg nicht mehr leisten können, diese Aufgaben wahrzunehmen? Wenn Kinder und Jugendliche auf der Straße spielen müssen, wenn der Sport als Wirtschaftsfaktor wegfällt und Integration, Inklusion sowie außerschulische Bildung von anderer Seite geleistet werden müssen? Und wenn es die Sportangebote, die genau wie gute Schulen, Verkehrsverbindungen und Freizeitangebot als "weicher Standortfaktor" gelten, nicht mehr gibt? Dann würde Ihnen bewusst werden, wie essentiell der Sport mit seinen Vereinen ist und wie wichtig es ist, dem Sport die Wertschätzung und Förderung entgegen zu bringen, die er verdient. Es ist an der Zeit, diese Leistungen und das Engagement (mehr) zu würdigen, auch finanziell!

Dazu haben Sie jetzt die Chance: Teile der Rückzahlung vom Landschaftsverband von 34 Millionen, wie vom schwarz-grünen Ratsbündnis vorgeschlagen, dem organisieren Sport, insbesondere den Sportvereinen, zugute kommen lassen – das wäre doch mal ein Anfang in der selbsternannten „Sportstadt Köln“!

Mit sportlichem Gruß

gez. Klaus Hoffmann                                                             gez. Helmut Schaefer
Vorsitzender Stadtsportbund Köln                                     Vorsitzender Sportjugend Köln

Den Brief als PDF finden Sie hier