"Wir können seit Anfang 2016 nicht in die Halle – seitdem haben wir mehr als zwei Drittel unserer Mitglieder verloren"

04.02.2019: Wolfgang Kahmann vom SC Lindweiler im Interview

Foto: privat

Herr Kahmann, im Mai vergangenes Jahr haben wir über die Turnhallenproblematik in der Soldiner Straße berichtet. Wie ist der Stand knapp neun Monate später?
Der Fußboden ist fertig, die Luft in der Halle scheint annehmbar zu sein. Zuvor gab es die Problematik, dass der frisch gelegte und versiegelte PVC Boden zu starke Dämpfe abgesondert hat. Leider regnet es jetzt an einigen Stellen durch das Dach der Turnhalle, das Wasser kann den Fußboden wieder kaputt machen. Fakt ist, die Halle ist immer noch nicht wieder frei gegeben. Wir können sie dementsprechend weiterhin nicht nutzen – und das jetzt seit Anfang 2016!

Hat sich die Kommunikation mit dem Wohnungsamt verbessert? Werden Sie regelmäßig über den aktuellen Stand informiert?
Eigentlich sollten wir im November 2018 die Halle wieder nutzen können, der Termin konnte ja aber mal wieder nicht gehalten werden. Es gibt keine direkte Kommunikation mit dem Wohnungsamt/der Gebäudewirtschaft. Wir werden bezüglich des Standes nicht unterrichtet und bekommen Informationen nur auf Nachfrage. Wir erwarten, dass wir zeitnah informiert werden, wenn es Neuigkeiten gibt, denn die Hallensperrung geht mehr und mehr an unsere Substanz als Sportverein – sie bedroht unsere Existenz.

Im Mai 2018 hatten Sie bereits 50% Ihrer Mitglieder verloren. Wie hat sich die weitere Verzögerung ausgewirkt?
Unsere Mitgliederanzahl hat sich weiter verringert. 2016 waren es 150 Mitglieder, jetzt sind es noch 39 aktive. Wir versuchen, mit gemeinsamen Aktionen das Vereinsleben aufrecht zu erhalten. Wir planen bereits perspektivisch einige Aktionen wie beispielsweise ein gemeinsames Sportfest mit der Schule und ganz Lindweiler oder den Aufbau einer Kindertanzgruppe aller Nationalitäten. Derzeit weiß ich aber nicht, wie lange ich den Rest der Mitglieder des SC Lindweiler noch halten kann. Wenn diese auch noch gehen, dann müssen wir den Verein auflösen.

Der SC Lindweiler ist ein wichtiger Akteur bei der Integration verschiedenster Bevölkerungsgruppen…
Ja, wir sind ein multikultureller Verein, der auch 2013 mit dem Preis der Sportjugend ausgezeichnet wurde. Unser Vorstand besteht aus sieben Frauen und zwei Männern – die Damen kommen zum Beispiel aus der Türkei, Marokko und Tunesien. Im Juni 2019 sollen die drei Häuser für Flüchtlinge am Erbacher Weg in Lindweiler fertig gestellt sein. Der Lino -Club wird die Trägerschaft übernehmen. Wir, der SC Lindweiler, wollen die Flüchtlinge in unseren Sportverein aufnehmen und integrieren. Mit einer Kooperationsvereinbarung werden wir auch zwei Dolmetscherinnen mit arabischen Sprachkenntnissen zur Verfügung stellen.

Das sind tolle Pläne… Wie überbrücken Sie die nicht absehbare Zeit bis zur Freigabe der Halle räumlich?
Die Kurse Wirbelsäulengymnastik und Turnen trainieren derzeit in der Kita Soldiner Straße auf ungefähr 50 m². Die Kinderturn- und Eltern-Kind-Turn-Gruppe waren in die Kita Marienberger Weg (Lino-Club)untergebracht – das war für einen festgelegten Zeitraum durch eine Kooperationsvereinbarung geregelt. Diese beiden Kindergruppen sind jetzt nicht mehr aktiv und warten dringend auf die Freigabe der Turnhalle.

Was fehlt in Ihren Augen Köln zu einer Sportstadt?
Den Vereinen fehlen in erster Linie Sportstätten, die vorhandenen sind überbelegt. Dabei meine ich nicht nur Hallen, sondern auch öffentliche Plätze (mit eventueller Überdachung) in den Stadtvierteln, die für alle Bevölkerungsschichten zugänglich sind. Dort könnten Gymnastik-Gruppen trainieren oder Tanz- und Musikveranstaltungen stattfinden – wie zum Beispiel in Spanien oder China. Vereine, Sport und Musik verbinden für ein soziales und kulturelles Miteinander in Köln.