Gipfel der Unverbindlichkeit

30.05.2016: Vereine ohne Perspektiven – Integration wird weiter behindert – Verantwortungsträger auf Tauchstation – Frust pur:

Belastbare, verbindliche Aussagen hatten sich die von den

Hallenbeschlagnahmungen betroffenen Kölner Sportvereine von Politik und

Verwaltung erhofft – doch die blieben beim 2. so genannten Flüchtlingsgipfel am

vergangenen Freitag aus. Man arbeitet mit Hochdruck an einem Konzept für einen

Plan zur Umsetzung des Einstiegs in den Ausstieg aus den

Hallenbeschlagnahmungen, so könnte man das Credo der Verantwortlichen

zusammenfassen. Sofern sie überhaupt den Weg in den Hörsaal 5 der

Trainerakademie fanden – so manche(r) Entscheidungsträger(in) aus den Reihen

der Politik blieb offenbar lieber gleich auf Tauchstation.

Wenig bis gar nichts Substanzielles gab es denn auch zu hören für die Vereine. Die

Akteure aus Politik und Verwaltung erklommen einen Gipfel der Unverbindlichkeit.

Insbesondere Auskünfte über den beabsichtigten Zeitplan einer Rückführung der

zweckentfremdeten Sportstätten wurden konsequent verweigert. Noch in diesem

Jahr wolle man mit dem „Einstieg in den Ausstieg“ beginnen. Wenn, ja wenn nicht

unvorhergesehene Entwicklungen, die man nicht beeinflussen könne, diese Pläne

wieder zunichtemachten.

Seltsam, dass aus anderen Kommunen bundesweit nahezu täglich Nachrichten

über die Freigabe von Sportstätten zu vermelden sind. Über die Reihenfolge der

eventuell beabsichtigten Hallenrückführung in Köln besteht derweil weiterhin

Unklarheit für die Vereine. Eine Prioritätenliste existiert offenbar, wurde jedoch den

Vereinen bislang nicht zugängig gemacht. Kommunikation mit den Vereinen:

Fehlanzeige! Ist das die vielzitierte WERTschätzung, die man den Kölner

Sportvereinen angedeihen lässt? Die Sportstadt Köln – zurzeit der gelebte

Konjunktiv…

Derweil bemühen wir Sportvereine uns an der Basis, in den Veedeln, vor Ort,

Integration zu leben und trotz des verheerenden und respektlosen Umgangs von

Teilen der Politik und Verwaltung mit dem gemeinwohlorientierten Sport weiterhin

ihr Sportangebot für Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund aufrecht

zu erhalten. Die Geschäftsstelle des MTV Köln 1850 erreichen nahezu täglich

Anfragen nach Bewegungsangeboten für Flüchtlinge, die wir gerne in bestehende

Gruppen aufnehmen. Unser Verein betreut zudem hunderte von Kindern und

Jugendlichen im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets (was mit einem

erheblichen bürokratischen Aufwand einhergeht, den wir unentgeltlich leisten).

Doch wie lange noch? Das massive Hallenproblem behindert zusehends unsere

Möglichkeiten, niederschwellige Integration und Inklusion zu betreiben. Als Dank für

das uneigennützige, ehrenamtliche Engagement zahlreicher Menschen in den

Vereinen strafen Teile von Verwaltung und Politik diese Strukturen

bürgerschaftlichen Engagements nicht nur mit Ignoranz, sondern zerstören die so

wichtigen Strukturen ausgerechnet in den Sozialräumen und Stadtteilen mit

erhöhtem Förderungsbedarf!

Theo Rüben                                  Holger Dahlke

Vorsitzender                                 Geschäftsführer