„Sport muss in Köln zur Chefsache werden“

21.09.2018: Spannende Podiumsdiskussion im Sport und Olympia Museum

Dass Köln in den Augen des Stadtsportbundes Köln für das Label „Sportstadt“ noch sehr großen Nachholbedarf hat, ist hinlänglich bekannt. Wie aber sehen Vertreter des Spitzensports, aus dem Bereich der Sportgroßevents und der Kölner Presse die Stadt Köln?

Das Podium im Sport und Olympia Museum bildeten der FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle, Stefan Löcher, Geschäftsführer der Lanxess Arena, Fred Wipperfürth, Geschäftsführer des Köln.Sport-Verlages, und der SSB-Vorsitzende Peter Pfeifer. Bereits bei der Einstiegsfrage von Moderator Tom Bartels kristallisierte sich heraus, dass Köln für alle Beteiligten keine Sportstadt ist – aus unterschiedlichsten Gründen. Für Fred Wipperfürth verdient Köln mit Blick auf den Profisport und die Sportgroßveranstaltungen durchaus die Bezeichnung „Sportstadt“. Mit Blick auf den Breitensport, an den Rändern aber „wird es knapp“. Zwar zeigten Köln.Sport- Umfragen, dass die Sportstätten und die Angebote der Sportvereine von der Kölner Bevölkerung als in Ordnung eingestuft werden, viele Vereine hätten aber große Probleme und fühlten sich von Politik und Verwaltung alleine gelassen. „Die Akteure im Kölner Sport sprechen nicht mit einer Stimme. Köln ist für mich keine Sportstadt“, resümierte er.

Auch der Lanxess-Chef hob hervor, dass Köln in Hinblick auf Sportgroßveranstaltungen hervorragend aufgestellt sei – viele Veranstaltungen kämen immer wieder gerne nach Köln oder blieben, wie das Final4 im Handball, für mehrere Jahre. „Sport ist in meinen Augen gleichzusetzen mit Kultur – Sport ist Kultur. Es muss ein Umdenken stattfinden, der Sportetat muss deutlich erhöht werden“, forderte Löcher.

Ähnlich argumentierte auch Alexander Wehrle, der von seinen Erfahrungen bei  den Punkten Stadion und Geißbockheim-Erweiterung nicht nur Positives von der Zusammenarbeit mit der Stadt berichten konnte. „Trotz der wissenschaftlich belegten Tatsache, dass der FC Köln für die Stadt ein mediales Aushängeschild und großer  Wirtschaftsfaktor ist, werden wir von einigen Politikern eher als Bittsteller denn als Partner angesehen“, sagte Wehrle. Es sei Zeit, anzuerkennen, dass Sport ein öffentliches Kulturgut sei und auch so wahrgenommen werde.  Die fehlende (finanzielle) Anerkennung der Leistungen des Sports stellt auch für Peter Pfeifer ein Hauptproblem dar: „Der Wert der ehrenamtlichen Arbeit beträgt laut Sportentwicklungsplan knapp 420 Millionen Euro im Jahr. Wir sind in vielen unterschiedlichen Bereichen unterwegs, z.B. in der Inklusion, der Integration und im Senioren-Bereich. Aus den jeweiligen Etats der Stadt bekommen wir allerdings kein Geld.“ Er hätte nichts dagegen wenn die Kultur ihren Etat behalte, der Sport aber fordere und verdiene mehr finanzielle Mittel.

Nach der Bestandsaufnahme aus verschiedenen Perspektiven stand die Frage im Fokus, wie Köln denn zu einer tatsächlichen Sportstadt werden könne. Für Peter Pfeifer war eines klar „Wenn man sich Sportstadt nennen will, dann müssen Politik und Verwaltung vom Wert des Sports durchdrungen sein.“ Sport müsse zur Chefsache in Köln werden.  Das sei es derzeit nicht du das verhindere vieles, so der SSB-Vorsitzende. Stefan Löcher plädierte für positiven Mut. „Wir müssen offen und ehrlich aktuelle Entscheidungen hinterfragen und uns auf die Stärken besinnen“, sagte der Arena-Chef. Man sollte Vergangenheit abhaken und nach vorne schauen. Gemeinsam war auch für Alexander Wehrle ein wichtiges Stichwort. Dabei müsse nicht nur der organisierte  Sport mit all seinen Akteuren mit einer Stimme sprechen, sondern ebenso der Breiten- und der Profisport gemeinsam. „Es muss das Ziel sein, dem Sport – gemeinsam mit vielen Netzwerkpartnern – eine Stimme zu geben“, formulierte er. „Wir als größter Kölner Verein können dabei die Lokomotive sein.“

Fred Wipperfürth in seiner Funktion als Journalist und Geschäftsführer des Köln.Sport-Verlages merkte an, dass es derzeit keine Öffentlichkeit für die Belange des Sportes gebe. Dies müsse sich ändern – eine gemeinsame  Stimme, die es in den vergangenen Jahren nicht gab, sei hier die Voraussetzung. „In den Kölner Zeitungen liest man viel  zum Thema Kultur. Hier gibt es eine unglaublich große Öffentlichkeit, die auch Druck auf Politik und Verwaltung ausübt. Der Sport muss sich ebenfalls eine Öffentlichkeit schaffen, die die positiven Aspekte und den Wert des Sports aufgreift und die auch mal für die Belange des Sports Druck aufbauen kann.“ So wäre beispielsweise auch Köln als Teil der Olympiabewegung 2032 in den Augen der Teilnehmer eine gute Möglichkeit, ein Großereignis zum Sport-Positionsthema zu machen.

Während der knapp 100-minütigen Diskussion zeigte sich, dass es viele verschiedene Ansatzpunkte gibt, Köln zu einer Sportstadt zu machen. Der Sportentwicklungsplan, der Bau eines barrierefreien Sportparks oder der mögliche Zuschlag als Bundesstützpunkt für den Radsport sind nur drei Projekte, mit denen der noch lange Weg beginnen könnte.  Allen voran aber müssen Profisport und Breitensport gemeinsam an einem Strang ziehen. Mit Blick auf die Kommunalwahlen 2020 adressierte Wehrle an den Stadtsportbund: „ Wir werden spätestens im Sommer 2019 gemeinsam mit klaren Zielformulierungen an die Parteien herantreten. Und dann sollen sich die Parteien auch klar positionieren – dann können die Wählerinnen und Wähler entscheiden.“ Peter Pfeifer nahm dieses Angebot gerne an und resümierte: „Wir sind uns einig, dass wir uns als Vertreter des Breiten- und des Spitzensports zukünftig nicht mehr auseinander dividieren lassen, sondern nicht locker lassen und gemeinsam für den Sport agieren.“