„Vereine haben momentan das deutliche Nachsehen, wenn es um die Nutzung von Schulsporthallen geht"

22.11.2018: Thomas Montañés von der Turnerschaft Mauenheim im Interview

Herr Montañés, seit Schulbeginn bis Mitte Dezember muss Ihr Verein, die Turnerschaft Köln-Mauenheim 1921 e.V. (kurz: TS-Mauenheim), an elf Tagen aus einer Halle weichen, weil die Schule, deren Halle Sie nutzen, diese gesperrt hat. Was waren die Gründe dafür?
Richtig, in der Zeit vom Anfang September bis Mitte Dezember ist die uns überlassene Halle von 68 möglichen Tagen an elf Tagen gesperrt worden. Es wurden uns keine direkten Gründe durch die Stadt genannt. Ich weiß aber, dass es sich um Veranstaltungen wie Infoabende, Elternabende und Projektwochen handelt, für die die Schule ihre Turnhalle selbst nutzt.

Es erscheint ja zunächst legitim, dass die Schule die Halle für ihre Zwecke nutzt…
Ich kann es einerseits verstehen, dass es für die Schule unkomplizierter ist, eine Turnhalle mit Stühlen zu bestücken, anstatt Mehrzweckräume umzubauen. Und wenn der Platz tatsächlich gebraucht würde, dann ist es ja auch in Ordnung. Aber für uns als Verein ist es unerträglich, wenn man sieht, dass zu einer Veranstaltung absehbar nur 20-30 Eltern kommen und dafür eine ganze Turnhalle gesperrt wird und unsere Kurse ausfallen müssen. Insbesondere bei den Rehakursen ist das problematisch, weil die Verordnungen für Rehabilitation zeitlich begrenzt sind und eine regelmäßige Behandlung notwendig ist. Bei ausfallenden Stunden entsteht ein großes Problem. Wir müssen die Stunden irgendwie kompensieren, etwa eine andere Stunde finden oder einen anderen Raum anmieten.

Haben Sie denn ausreichend Vorlaufzeit, sodass eine Ersatz-Räumlichkeit gesucht werden kann?
Die jetzige Projektwoche wurde zwei Monate vorher angekündigt und auch andere Sperrungen wurden früh genug angekündigt, das ist in Ordnung. Nicht selten jedoch auch so kurzfristig, dass eine Weitergabe der Information an die Mitglieder bzw. TeilnehmerInnen nicht möglich war. Einmal sollte auch unnötigerweise einen Tag nach einer Veranstaltung noch gesperrt sein…

Wie meinen Sie das?
Auch den Tag nach einer Veranstaltung sollte die Halle gesperrt sein, weil das Material – genauer gesagt die Bestuhlung – auch noch danach in der Halle verblieb. Niemand sah sich in der Lage, diese zurückzubringen. Dann haben wir mit angepackt und geholfen, die Stühle wegzutragen, damit wir die Halle nutzen konnten. Denn wir haben keine Ausweichmöglichkeiten, die kurzfristig verfügbar sind. Wir sind immer bemüht, das Gespräch zu suchen – aber Vereine haben momentan das deutliche Nachsehen, wenn es um die Hallennutzung von Schulsporthallen geht.

Ist die Hallennutzung denn nicht vertraglich geregelt?
Doch natürlich. Der Verein muss der Stadt-Köln eine Nutzungszeitliste überreichen und Änderungen unmittelbar anzeigen, damit ein Nutzungsvertrag bzw. Änderungsantrag geschlossen werden kann. Das heißt, vertraglich sind wir gebunden – mit dem Passus „schulische Bedarfe haben Vorrang“. Aber alleine das Schulgesetz unterstreicht diese „ungleiche“ Situation der „Partnerschaft“. Hier werden Hallennutzungszeiten per se bis 17 Uhr den Schulen zugesprochen – obwohl die OGS nur bis 16 Uhr offen hat. Das passt für mich nicht! So haben die Vereine meist keine Möglichkeit, Kinder und Jugendliche aus dem Veedel im Nachmittagsbereich aufzufangen.

Was könnte denn in Ihren Augen eine Lösung sein?
Zum einen zeichnete sich ja in der Vergangenheit ab, dass gerade die Turnhallen für etliche Veranstaltungen erheblich überdimensioniert waren – hier könnten die Schule aufgrund der Erfahrungen „Mehrzweckräume“ anstatt der Hallen nutzen.
Wir wollen die Möglichkeit haben, die Turnhalle in fest definierten Zeitfenstern nutzen zu können. Warum nicht bereits früher am Nachmittag, wenn der OGS-Bereich die Halle nicht belegt? Das Verhältnis Schule/Sportverein sollte auf Miteinander statt Konkurrenz bauen – oftmals stehen Gesetze oder die Stadt Köln dazwischen.
Generell fehlt es in Köln aber an echten Mehrzweckhallen, die auch eine Sportvereinstätigkeit berücksichtigen. Die Hallen in Köln werden nach einer DIN errichtet, die weder den modernen Schulsport, vor allem aber nicht den Belangen der Vereine Rechnung tragen. Es mangelt oft an separierten und gut zugänglichen Abstellräumen für die Vereine, sodass wir häufig die Situation haben, dass Materialien ungefragt in die Hände Dritter gelangen oder ganz abhandenkommen.
Weiterhin sollte es nicht sein, dass, wenn Hallen für den Sport frei gegeben werden und baulich die eine oder andere Sportart erlauben, die Halle aus Empfindlichkeiten Einzelner heraus nicht genutzt werden dürfen, wie wir es jetzt schon beispielsweise beim Ballsport erlebt haben. Die Stadt Köln, hier als Dienstherr, sollte dies klarstellen.

Also sehen Sie die Stadt Köln in der Pflicht?
Natürlich. Die Problematik der fehlenden Turnhallen in Köln ist seit Jahrzehnten bekannt. Wir alle wissen, dass in Köln Platzmangel herrscht, aber dann kann man doch wenigstens die beschlossenen Projekte ordentlich umsetzen. Bei der Schule an der Friedrich-Karl-Straße zum Beispiel: Es kann nicht sein, dass die Stadt Köln nicht in der Lage ist, dort die beschlossene Schule und Halle zu bauen, wenn sie schon vorher das Schwimmbad abgerissen hat. Aber scheinbar ist niemand in der Lage, eine Planung durchzuführen, um den Problemen entgegenzuwirken – und niemand wird haftbar gemacht, wenn etwas schiefläuft. Bis zu sechs Hallen müssen demnächst in unserem Bezirk wegen Sanierung und Renovierung teilgesperrt werden.

Gibt es Alternativen, wenn die sechs Hallen gesperrt werden?
Diese sehe ich derzeit nicht, aber jetzt wäre ein guter Zeitpunkt für die Stadt Köln, sich über Ausweich-Räume Gedanken zu machen und diese dann anzumieten, bis die Turnhallen gebaut/saniert sind. Man sollte hier umdenken, wenn es nicht genügend Hallen gibt.  Einige Angebote wie Gymnastik zum Beispiel benötigen ja keine große Halle und könnten somit auch in einem anderen Raum durchgeführt werden.
Das könnte übrigens auch ein guter Ansatz sein, an Vormittagen, in Randzeiten und an Wochenenden Räume für Reha-Sport zuverlässig nutzbar zur Verfügung zu stellen, um das politisch wie gesellschaftlich gewollte bzw. geforderte Thema Sport und Rehasport voranzutreiben. Denn derzeit haben wir keine Räume, um am Morgen und am Vormittag diese Angebote vernünftig durchzuführen.

Ist Köln in Ihren Augen eine Sportstadt?
Das Wort „Sportstadt“ alleine ist für mich Provokation! Ja, es machen sehr viele Kölner Sport – organisiert oder unorganisiert, in Vereinen, anderen Institutionen oder einfach im Park. Der Vereinssport – Fußball würde ich da jetzt mal außen vorlassen – wird stiefmütterliche behandelt. Für jeden hallenbezogenen Sport wird der Euro dreimal umgedreht.
Ich würde mir seitens der Stadt Köln auch mehr Unterstützung im Bereich des Ehrenamts im Sport wünschen, denn die Positionierung und Anerkennung der ehrenamtlichen Tätigkeit in Gesellschaft und Politik ist bivalent. Vorne gelobt und hintenherum belacht, finden sich kaum noch Menschen die sich für das Gemeinwohl, in unserem Bereich in der Kinder- und Jugendarbeit, einsetzen. Nachwuchs für die ehrenamtliche Tätigkeit im und für den Verein zu finden, ist sehr schwierig.
Damit einher geht auch die Qualifizierung von Ehrenamtlichen. Die von der Politik, Vereinen und Verbänden gewünschte Qualifikation des Ehrenamtes ist vor allem zeitaufwendig, aber auch kostenintensiv. Sie wird häufig durch die ehrenamtlich Tätigen selbst getragen und nur teilweise gefördert. Hier wäre in meinen Augen mehr finanzielle Unterstützung angebracht.