"Wegen zwei Quadratmetern Mattenwagen dürfen wir die Halle nicht mehr nutzen"

03.05.2019: Hans-Peter Kloiber vom 1. Bocklemünder Judo Club im Interview

Foto: privat

Herr Kloiber, der Bocklemünder Judo Club e.V. DJK darf die Halle in der Sportplatzstraße in Wahn nach den Sommerferien nach über 40 Jahren nicht mehr nutzen. Wieso nicht?
Die Gymnastikhalle soll umfangreich saniert werden – zunächst hieß es ab den Osterferien, nun ab den Sommerferien. Nach den Renovierungsarbeiten dürfen Sportgruppen, die Sportmaterialien unterstellen müssen, nicht mehr in der Halle trainieren. Damit können wir Halle in der Sportplatzstraße nicht mehr nutzen – wegen zwei Quadratmetern.

Wegen zwei Quadratmetern?
Ja genau, wir haben zwei Mattenwagen mit einer Grundfläche von jeweils einem Quadratmeter, die wir unterstellen müssten, angeblich stören die Wagen. Ich kann es wirklich nicht verstehen, dass dies nach über 40 Jahren nicht mehr möglich sein soll.

Wer trifft diese Entscheidung?
Die Schulleitung entscheidet das und hat ganz klar gesagt, dass nach der Renovierung keine Vereine mit Sportgeräten mehr geduldet werden. Eigentlich hatten wir nie Probleme mit der Schulleitung – daher wundert es mich jetzt umso mehr. Persönlich hat die Schulleitung nicht mit uns gesprochen.
Die Sportsachbearbeiterin Frau Luther hat uns diese Nachricht überbracht und ist uns derzeit bei der Suche nach alternativen Räumen behilflich.

Haben Sie denn schon Ersatzräume in Aussicht?
Früher waren wir in einer Halle bei der Bundeswehr in Wahn zum Trainieren, aber da ist jetzt alles besetzt. Zum Glück ist bis zu den Sommerferien noch etwas Zeit, aber die Hallensituation in Köln ist ja nicht einfach. Wir haben vielleicht eine Halle in Aussicht, aber da müssen wir ebenfalls schauen, ob wir die Matten unterbringen können. Frau Luther ist sehr bemüht und sucht derzeit noch.

Was hätten Sie sich im Fall dieser Halle gewünscht?
In erster Linie natürlich, dass wir dort weiter trainieren dürfen, aber das geht ja nicht. Warum, keine Ahnung. Wir hatten gehofft, dass irgendwie ein Kompromiss für unsere Mattenwagen gefunden werden kann, aber das ist auch nicht der Fall.
In der neuen Halle in Bocklemünd hatten wir ein ähnliches Problem, wo wir sieben Mattenwagen unterbringen können. Gleiches in Bickendorf, nach der Renovierung war kein Platz mehr für die Gymnastikmatten. Auch dort entschied die Schulleitung keine Sportvereine mehr, die Geräte benötigen.Aber dank unserem Sportsachbearbeiter Herrn Morawa haben wir in beiden Fällen eine Lösung gefunden

Wirkt sich der Wegfall der Turnhalle – der ja eigentlich schon für nach den Osterferien angekündigt war – auf Ihre Mitglieder aus?
Wir haben tatsächlich schon ein paar Abmeldungen von Kindern bekommen. Da wir jetzt ja aber erstmal bis zu den Sommerferien in der Halle bleiben können, hoffe ich, dass der Hallenwechsel dann nicht dazu führt, dass noch mehr Kinder die Gruppe verlassen. Sollte keine Trainingsmöglichkeit in räumlicher Nähe gefunden werden, werden wir diese Abteilung unseres Vereins schließen müssen.

Der Sport und die Sportvereine haben ja auch den Auftrag von der Politik, Kindern Möglichkeiten zur Freizeitbeschäftigung zu geben und die sozusagen von der Straße zu holen. Das machen wir sehr gerne, wir unterrichten über 100 Kinder – und jetzt werden wir vor die Tür gesetzt und müssen sehen, wie wir zurechtkommen.

Was fehlt in Ihren Augen Köln zu einer Sportstadt?
Ich bin von den Politikern unheimlich enttäuscht.
Zum Beispiel wurde die Turnhalle in Bocklemünd kurzfristig für die Belegung mit Flüchtlingen hergerichtet. Auch dieses geschah sehr kurzfristig und sollte nur für drei oder vier Monate sein. Realität war, wir konnten neun Monate nicht in der Halle trainieren und eine Belegung hat überhaupt nicht stattgefunden. Wir hatten volles Verständnis, dass eine Unterkunft Vorrang vor dem Sport hatte, die Informationspolitik jedoch war nicht o.k. Dank Herrn Morawa und der DJK haben wir die Zeit einigermaßen überbrückt.
Es fühlt sich oft so an, als wenn die Sportvereine nicht für wichtig erachtet werden. Auf der einen Seite lässt man mit Worten das Ehrenamt hochleben, bei den alltäglichen Sorgen insb. Hallennutzung steht man im Regen. Lediglich die Sportsachbearbeiter in den Bezirken sind an den Vereinen dran und versuchen mit allen Kräften zu helfen. Kein Wunder, das es immer schwerer wird Ehrenamtler zu finden.

Was sind die größten Probleme Ihres Vereins?
Bis auf die Hallenproblematik und da verstehe ich nicht, dass eine Schulleitung ohne jegliche Rücksicht (selbstherrlich) entscheiden kann „ich will das nicht mehr“,  läuft es bei uns im Verein wirklich gut. Wir sind gut aufgestellt, auch als Vorstand. Ich mache das jetzt schon über 25 Jahre. Für uns ist die Gemeinschaft im Verein sehr wichtig. Wir engagieren uns auch für diejenigen, denen es nicht so gut geht – in jeglicher Hinsicht. Zum Beispiel machen wir ein alljährliches Grillfest mit einer Tombola und er Erlös geht an krebskranke Kinder.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Stadtsportbund Köln macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.