Räumung der Turnhallen früher als geplant

05.05.2017: Jahrelange Wiederaufbauarbeit für die betroffenen Vereine sowie alternative Konzepte für die Zukunft sind notwendig

Insgesamt 500 Geflüchtete waren mit Stichtag 4. Mai noch in Kölner Turnhallen untergebracht. Nach den Planungen des Wohnungsamtsleiters Josef Ludwig und seinem Team könnten diese nun bald in den neu entstandenen Flüchtlingsunterkünften, beispielsweise im Weidenbad und in der Leichtbauhalle am Butzweilerhof, untergebracht werden. „Ich bin optimistisch, dass wir – soweit nichts Unvorhergesehenes passiert – schon deutlich vor Ende des Jahres, dies war unsere bisherige Ziellinie, die noch genutzten Turnhallen geräumt haben werden. Wir bleiben dazu in engem Austausch mit dem Stadtsportbund Köln“, so Ludwig. Lediglich bei der Turnhalle in der Escher Straße, belegt mit allein reisenden Männern, könne sich der Auszug noch etwas hinauszögern.
Dass Räumung aber nicht Rückgabe an den Schul- und Vereinssport bedeutet, ist nach den vergangenen Monaten hinlänglich bekannt. Mehr oder weniger umfangreiche Instandsetzungsarbeiten führen dazu, dass mindestens vier bis sechs Wochen bis zur Übergabe eingerechnet werden müssen – bei einigen schwerwiegenden Fällen sogar noch mehr.

„Wir begrüßen natürlich, dass die Unterbringung in den Turnhallen nun scheinbar doch ein schnelleres Ende als geplant findet “, sagt Helmut Schaefer, Vorsitzender der Sportjugend Köln. „Wir brauchen unsere Hallen dringend für den Übungs- und Wettkampfbetrieb. Aber auch für die Geflüchteten verbessern sich so endlich die Wohnbedingungen.“
Anlass zu Lobeshymnen ist das für ihn und den Vorsitzenden des Stadtsportbundes Köln, Klaus Hoffmann, aber nicht. „Es ist im Grunde ein Armutszeugnis für eine Stadt wie Köln, dass man es über einen derart langen Zeitraum nicht geschafft hat, menschenwürdige Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge zu finden“, so Schaefer. „Dem Schul- und Vereinssport wurden lange genug die Räume für die Arbeit entzogen. Jetzt steht jahrelange Wiederaufbauarbeit für die betroffenen Vereine an, um den nachhaltigen Schaden aus den letzten drei Jahren, der hier von den Akteuren in Kauf genommen wurde, aufzuarbeiten“, fügt Hoffmann hinzu.  Es seien ganze Wettkampfstrukturen zerstört worden, in einzelnen Disziplinen fehlten komplette Jahrgänge, auch bei den Trainern. So etwas dürfe sich in Zukunft nicht wiederholen.
„Daher ist das Thema Notunterbringung von Geflüchteten für den Stadtsportbund Köln noch lange nicht abgeschlossen – auch wenn es jetzt auf das Ende der Nutzung von Hallen als Notunterkünfte zugeht“, sagt Hoffmann. „Natürlich hofft keiner, dass es wieder zu einem Flüchtlingsstrom kommt. Aber mit Blick auf die weltpolitische Lage müssen schon jetzt alternative Pläne seitens der Verwaltung aufgestellt werden.“ Der Stadtsportbund Köln wird hierzu in den kommenden Wochen einen Forderungskatalog mit konstruktiven Vorschlägen im Sinne des Kölner Sports einbringen.