Teamreise nach Györ

12.12.2018: Bildungsfahrt des SC West als gelungenes Beispiel für „Integration durch Sport“

Foto: Lukas Kemperdick

Ein Spieler der U14 Mannschaft des SC West hat mit seiner Familie bis zum Sommer 2017 in Ungarn gelebt und dort für den Verein ETO FC Györ gespielt. Der technische Direktor des Vereins hat die Familie nach Ihrem Umzug nach Deutschland hin und wieder besucht und im Zuge dessen auch Spiele und Trainingseinheiten auf der Platzanlage des neuen Vereins des jungen Spielers aus Ungarn verfolgt. Hierbei kam es immer wieder zu langen Gesprächen und Austauschen mit verschiedenen Jugendtrainern in Köln – die Idee einer Vereinspartnerschaft mit wechselnden Besuchen verschiedener Jugendmannschaften war geboren!

Die U14 des SC West Köln sollte den Anfang machen und in den nächstmöglichen Schulferien nach Györ reisen. Nach einer ersten Kalkulation gemeinsam mit hilfsbereiten Eltern wurde festgestellt, dass eine Trainingsreise an ein bemerkenswertes Ziel – nicht nur aufgrund der Möglichkeit, dass die Trainingseinrichtungen in Ungarn kostenlos genutzt werden können – zu einem vertretbaren Preis möglich war und die Planungen konnten beginnen.

Eine Besonderheit gab es vorab, ein Spieler der U14 hatte auf Grund eines laufenden Asylverfahrens noch keine Aufenthaltserlaubnis. „Ein großer Teil meiner Reisevorbereitung entfiel auf das Schreiben von Anträgen und Behördengängen mit der Familie, in der Hoffnung, einen vorläufigen Reiseausweis für Ausländer zu erhalten“, sagt der Leiter der Reise, Lukas Kemperdick.

Die Bemühungen zahlten sich aus: Mit einer Mischung aus täglichen Trainingseinheiten und Rundgängen durch den historischen Stadtkern sowie einem Ausflug zur UNESCO-geschützten Territorialabtei in der nahegelegenen Stadt Pannonhalma war die Reise nach Györ für alle ein tolles Erlebnis. Das Abendprogramm wurde durch die Spieler organisiert. Sie  waren angehalten, sämtliche ihrer Anliegen in der Interaktion mit Dritten erstmal selbst zu kommunizieren und sich dabei an die Faustregel, „jedes fünfte Wort ist Bitte oder Danke“, zu halten. Das hat über den Verlauf der Woche hervorragend funktioniert, bei einzelnen Schwierigkeiten oder komplexeren Fragestellungen haben die mitreisenden Trainer sowie ein Dolmetscher unterstützt.

„In den ersten beiden Tagen kam es zu kleinen Meinungsverschiedenheiten zwischen Spielern und Trainern in Bezug auf Pünktlichkeit- und Zuverlässigkeit und ich verlor einige deutliche und mahnende Worte“, berichtet  Lukas Kemperdick. Im Verlauf der Woche nahm die Aufmerksamkeit der Kinder für diesen Aspekt der gemeinsamen Zeit allerdings zu. Es bildeten sich immer wieder neue Verbindungen und Gruppen, die dann bei der nächsten Gelegenheit neu durchmischt werden konnten. Der einzige, nennenswerte Konflikt entstand nach einem verlorenen Handyspiel und war schnell vergessen.

Vielmehr entstand der Eindruck, dass sämtliche Spieler zu fast allen ihrer mitgereisten Mitspieler stärkere, wohlwollende Beziehungen geknüpft haben. Da auch die Rückmeldungen der Eltern durchweg positiv waren, steht einer weiteren Mannschaftsreise mit ähnlichem Charakter in den Augen der Trainer nichts entgegen.

"Der Bericht des SC West hat mir erneut deutlich gemacht, welchen großen Beitrag Sport zur Aus- und Weiterbildung von Kindern und Jugendlichen leistet", sagt Andrej Braun, Jugendbildungsreferent der Sportjugend Köln. "Hier wurden grundlegende Werte mitgegeben und Grenzen abgebaut. Als Fachkraft für Integration freut mich besonders der offene Austausch mit anderen Kulturen im Kontext Sport. Zudem möchte ich dem Leiter Lukas Kemperdick ein Lob für sein ehrenamtliches Engagement aussprechen"

Alle Kölner Sportvereine haben nach wie vor die Möglichkeit, die Berichte über Ihre Bildungsmaßnahmen im Jahr 2018 bei der Sportjugend Köln einzureichen und eine Förderung zu erhalten. Der folgende Link führt Euch direkt zu den notwendigen Unterlagen:

http://www.sportjugend-koeln.de/vereinsservice/foerdermoeglichkeiten/jugendverbandsarbeit