Unverbindliche Zusagen der Stadtverwaltung Köln zur Rückführung der Turnhallen

21.05.2016: Sportvereine bleiben in Ungewissheit über ihre Zukunft - Den Frust der Sportvereins-Vertreter über die Situation der fehlenden Hallenzeiten durch Nutzung von 27 Sporthallen als Notunterkünfte für Flüchtlinge bekamen Stadtverwaltung und Politik beim gestrigen 2. Flüchtlingsgipfel des Stadtsportbundes zu spüren. Trotz des Bekenntnisses, Verständnis dafür zu haben, konnte die Stadtverwaltung keine überzeugenden Argumente dafür liefern, schnellstmöglich die Situation zu entschärfen.

v. li., Dr. Agnes Klein, Josef Ludwig, Hans Oster, Peter Kron, Helmut Frangenberg, Wilfried Hühn, Lars Görgens, Susan Bersem, Holger Dahlke

v. li., Lars Görgens, Wilfried Hühn, Susan Bersem, Holger Dahlke

v. li., Dr. Agnes Klein, Josef Ludwig, Hans Oster, Peter Kron,

Das Publikum beteiligte sich rege mit Fragen an der Diskussion

Zu viel Kredit hatte die Stadtverwaltung in den vergangenen Monaten bei den Vereinen verspielt. So sorgte die Ankündigung von Hans-Josef Ludwig, Leiter des Wohnungsamtes und Hans Oster, Stabstelle für Integration der Stadt Köln und Flüchtlingskoordinator , Mitte des Jahres – nach 18 Monaten „Notfallmanagement“ – nun einen Plan zu haben,  bei den Vereinsvertretern eher für ein ungläubiges Kopfschütteln und Gelächter. Ein Podiumsteilnehmer der Vereine brachte es auf den Punkt: „Das ist blanker Hohn, die Sportvereine fühlen sich verschaukelt. Wenn wir so wie die Stadtverwaltung arbeiten würden, wären unsere Vereine schon längst den Bach runtergegangen.“

Der Plan der Stadt: Ab Juni sollen die ersten Hallen sukzessive freigezogen werden. Den Anfang sollen die Sporthallen Herler Ring, Heerstraße, Niehler Kirchweg und Kolkrabenweg machen. Durch ein kriteriengestütztes Raster wurde ein Ranking seitens der Verwaltung - ohne Beteiligung durch den organisierten Sport - erstellt. Zuerst sollen die Mehrfachsporthallen, dann die Einfachsporthallen frei werden. Dazu finden Sie hier den Kriterienkatalog.
Wann wieder Sport in den Hallen gemacht werden könne, wollte niemand versprechen, da der Sanierungsbedarf noch zu klären sei. Drei für den Sport gesperrte Hallen, die überhaupt nicht als Notunterkünfte benutzt wurden, könnten immerhin mit Ende der Sommerferien zur Verfügung stehen. Hinweis eines Vereinsvertreters: Dann muss sich die Stadt aber nun bewegen und agieren, sonst wird es Herbst.

Trotz mehrfacher Nachfragen auf einen konkreten Zeitplan des Freiziehens aller Sporthallen wollte keiner der beiden Herren eine Aussage treffen. Zu viele Unsicherheiten z.B. über Flüchtlingsrouten, die weitere Zuweisung von Flüchtlingen und die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt bzw. bei der Schaffung von Alternativen seien vorhanden.

Somit blieb eine zentrale Forderung des organisierten Sports, einen Zeitplan für die Freigaben der Hallen zu erhalten, unbeantwortet. Weiterhin werden nun die Vereine achselzuckend die Anfragen ihrer Vereinsmitglieder beantworten müssen, wenn diese fragen, wann sie wieder das eine oder andere Sportangebot vor Ort nutzen können.  Es  wird weiterhin Vereinsaustritte hageln, weil kein Mensch bereit ist, Beiträge für kein oder ein eingeschränktes Vereinsangebot zu zahlen. Die Strukturen werden nachhaltig zerstört, mahnen Vereinsvertreter. Wenn einmal die Mitglieder verprellt worden sind, kommen sie so schnell nicht wieder zurück.

Deutlich konnte man das Misstrauen der Vereinsverantwortlichen spüren, als Ludwig und Oster darstellten, dass der Plan über die reine Frage der Unterkünfte hinaus geht und auch eine Investition in die Zukunft sei, denn dieser beinhalte auch Maßnahmen zur Integration. Neben dem Bau von Leichtbauhallen ist der Wohnungsbau eine zentrale Größe darin. Der Plan sehe vor, zukünftig planvoller und schneller auf die Zuweisung von Flüchtlingen und den Zuzug von Zuwanderern reagieren zu können und dabei die Sporthallen möglichst nicht zu tangieren. Viele Anwesende reagierten mit Skepsis. Einen Plan für eine Planung zu haben, sei ungefähr so, wie einen Antrag auf ein Antragsformular zu stellen.

Stadtsportbund-Vorsitzender Klaus Hoffmann machte zum Abschluss auch deshalb klar: Die Stadtverwaltung muss für eine Rückgewinnung von Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit nun sehr schnell mit der Rückgabe von Hallen an den Schul- und Vereinssport ein klares Zeichen setzen. Er forderte mehr Informationen seitens der Verwaltung  und bei der Schaffung von Alternativen. Insbesondere eine schnellere Umsetzung der Errichtung von Leichtbauhallen ist eine Lösung, die der SSB Köln bevorzugt. Auch forderte er auf, alternative Flüchtlingsunterkünfte seitens der Vereine an die Verwaltung zu melden. Die Verwaltung müsse Transparenz schaffen, warum Vorschläge nicht umgesetzt werden. Ebenso wie die Bekanntgabe der Prioritätenliste der Hallen als Notunterkünfte erwartet der organisierte Sport nun die Bekanntgabe der Liste „Reihenfolge der Freizüge“ von Hallen. Unabdingbar sei weiterhin, auch die zeitliche Perspektive darzustellen.

Die Vereinsvertreter machten schlussendlich ganz deutlich: „Gesprochen wurde genügend. Wir möchten nun schnell Taten sehen.“

Lesen Sie auch dazu den Artikel im Kölner Stadtanzeiger vom 21.05.16:

http://www.ksta.de/koeln/fluechtlinge-in-koeln-die-grossen-dreifachturnhallen-werden-zuerst-geraeumt-24094206