„Die Sanierung eines Hallenbodens muss europaweit ausgeschrieben werden“

30.11.2018: Susanne Betz, Geschäftsführerin vom SV Lövenich/Widdersdorf, im Interview

Frau Betz, der Boden in der Turnhalle „Im Kamp“, die sie nutzen, sollte in den Herbstferien saniert werden. Momentan können Sie die Halle immer noch nicht nutzen…
Am allermeisten ärgert mich, dass vorher schon abzusehen war, dass das in der kurzen Zeit der Herbstferien nicht funktionieren kann. Erst hieß es, dass die Halle auch nach den Herbstferien eventuell noch eine Woche gesperrt ist, dann aber wieder nutzbar sei. Aber spätestens während der Ferien zeichnete sich ab, dass dieser Zeitplan nicht einzuhalten ist.

Wurden Sie über den Grund der Verzögerung informiert?
Nicht direkt. Uns wurde nur mitgeteilt, dass es sich verzögert. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass es daran liegt, dass derartige Maßnahmen von der Gebäudewirtschaft europaweit ausgeschrieben werden müssen. Für diese Halle hatte sich zunächst eine Firma aus Berlin als die Günstigste herausgestellt. Hier habe ich jetzt allerdings erfahren, dass die Gebäudewirtschaft den Vertrag mit dieser Firma gekündigt hat, weil nichts weiter in der Halle passiert ist. Das bedeutet für uns, dass nicht abzusehen ist, wann die Halle wieder zur Verfügung steht. Sollte die Stadt den Auftrag neu ausschreiben müssen, könnte es auf jeden Fall bis zu den Osterferien keine Hallennutzung geben. Eine sehr unerfreuliche Situation.

Und die Sanierung eines Hallenbodens wird europaweit ausgeschrieben…? 
Ja, dieses Vorgehen führt dazu, dass sich Anbieter bewerben, die um jeden Preis versuchen, das günstigste Angebot zu machen. Wenn es Verzug bei der Fertigstellung gibt, wird das Unternehmen von der Gebäudewirtschaft jeden Tag mit einer Strafzahlung belegt. Aber davon und vor allem von einem gedrückten Preis wird die Halle ja nun auch nicht fertig. Außerdem kann eine Firma aus Berlin hier in Köln-Widdersdorf nicht so furchtbar viel spontan ausrichten. Die muss sich wieder einen Subunternehmer nehmen. Meiner Meinung nach wäre es sinnvoller, solche Dinge unter Kölner Firmen auszuschreiben und einem Unternehmer vor Ort den Auftrag zu geben. Alles andere wird – trotz des im ersten Moment besseren Preises – im Endeffekt langwieriger und teurer, das bestätigt sich ja jetzt auch wieder. Aber die Richtlinien sind scheinbar sehr starr. Das ist ein großes Problem.

Können Sie den Ausfall in anderen Hallen auffangen?
Das ist kaum möglich, es fehlt die Raumkapazität. Es gab auch ein paar Wochen, da waren direkt zwei von drei Hallen, die wir nutzen, gesperrt. Bis Anfang dieser Woche (KW 46, Anmerkung d. Redaktion) hatten wir seit den Sommerferien keine Möglichkeit, in die Turnhalle der Internationalen Friedensschule zu kommen, weil dort eine neue Schließanlage eingebaut wurde. Ich hatte es jetzt nicht für so problematisch gehalten, ein paar Schlösser auszutauschen, aber die Stadt Köln, die die Turnhalle neu übernommen hat, war sich nicht sicher, ob es ein mechanisches Schloss oder eine Schließanlage werden sollte. Zunächst hieß es, dass die Halle Anfang Oktober wieder nutzbar sei. Dann hieß etwas später, nach den Herbstferien könnten wir wieder rein, und jetzt letzte Woche (KW 45) habe ich die Nutzungsverträge unterschrieben und die Schlüssel bekommen. Das ist wirklich ein absolutes Unding.

Was sagen Sie Ihren Mitgliedern?
Gott sei Dank haben wir sehr verständnisvolle und geduldige Mitglieder, die ich an dieser Stelle nochmal ausdrücklich loben möchte. Auch als uns die Turnhalle „Im Kamp“ für eineinhalb Jahre wegen der Flüchtlingsunterbringung nicht zur Verfügung stand, haben sie sich damit arrangiert, dass die Kurse – natürlich nicht alle und etwas zusammengestaucht – in dieser Zeit im Vereinsheim stattfinden mussten. Wir haben noch das Glück, dass wir ein Vereinsheim mit einem Raum haben, wo wir zumindest einige Kurse anbieten können. Volleyball zum Beispiel geht aber natürlich nicht. Bei denen musste das Training über lange Zeit komplett ausfallen. Wir sind mit 2.100 Mitgliedern ein größerer Verein – ein kleinerer Verein geht daran kaputt.

Was hätten Sie sich konkret in diesem Fall beim Vorgehen der Stadt Köln gewünscht?
Ich hätte mir zum einen gewünscht, dass man die Bodensanierung in die Sommerferien gelegt hätte. Und zum anderen, dass man mit der Maßnahme in der Internationalen Friedensschule etwas „spontaner“ gewesen wäre, sodass nicht zwei Hallen gleichzeitig vor Ort gesperrt sind. Dann hätte man zumindest noch in einigen Fällen eine Ausweichmöglichkeit gehabt.

Und generell?
Für die Vereine wäre ein angemessener Vorlauf bei den Hallensperrungen wichtig. Wenn die Gebäudewirtschaft etwas ausschreibt, können sie doch schon absehen, in welchem Zeitfenster die Renovierung ungefähr stattfinden wird. Dann könnten die Vereine durch den jeweiligen Sportsachbearbeiter doch schon mal informiert werden. So hätte man die Möglichkeit, frühzeitig Alternativangebote zu überlegen, z.B. Nordic Walking oder Ähnliches.

Weiterhin ist es mir ein Anliegen, dass man mal gemeinsam vor Ort klärt, wie viel Hallenkapazität wir wirklich brauchen. Eine Halle können wir derzeit ab 18 Uhr nutzen, zwei andere ab 16 Uhr. Der Stadtteil Widdersdorf ist in den letzten Jahren enorm gewachsen, hat knapp 12.000 Einwohner. Dass man da eine andere Hallenkapazität als bei der Hälfte der Einwohner, die es noch vor einiger Zeit waren, benötigt, liegt ja auf der Hand. Da hier aber derzeit keine neuen Schulen geplant sind, wird es auch keine zusätzlichen Turnhallen geben.

Das klingt so, als würde die Hallenkapazität ihre Angebote sehr limitieren?
Auf jeden Fall. Das ist, als wenn uns jemand Handschellen anlegt. Wir haben hier in Widdersdorf so viele neue Mitbürger. Beim Kinderturnen zum Beispiel müssen wir viele Kinder auf Wartelisten setzen, obwohl wir teilweise schon zwei Übungsleiter in einer Gruppe einsetzen, damit mehr Kinder aufgenommen werden können.

Sport ist ja ein wirklich wichtiger Teil der Gesellschaft. Und gerade in einem Ort, der nicht langsam gewachsen ist, sondern die letzten Jahre über so gepusht wurde, ist Sport ein wichtiger Integrationsfaktor. Wie kann man unkompliziert neue Leute kennenlernen? Im Sportverein. Wo kann ich meine Kinder am besten unterbringen? Im Sportverein. Da muss man als Breitensportverein natürlich auch die Möglichkeit haben, verschiedene Sachen anzubieten…außer Fußball.

Wie ist die Kommunikation mit der Stadt Köln?
Die Kommunikation mit unserem Sportsachbearbeiter ist gut, er ist sehr bemüht. Aber das ist sicher auch nicht ganz einfach, denn im Bezirk 3 gibt es große Probleme, da viele Hallen renovierungsbedürftig sind. Das ist sicherlich ein Manko, dass man diesbezüglich viele Jahre untätig war und plötzlich meint, man müsse alle auf einmal renovieren.

Aber die Kommunikation zwischen Sportvereinen und der Stadt Köln – da weiß ich nicht, ob die wirklich funktioniert. Als die Halle „im Kamp“ mit Flüchtlingen belegt wurde, haben wir durch Zufall kurz vorher erfahren, dass wir dort nicht mehr trainieren können. Von der Stadt Köln haben wir das erst eineinhalb Wochen später erfahren.

Was fehlt Köln, um eine richtige Sportstadt zu sein?
Die Stadt rühmt sich mit „Sportstadt Köln“, aber während der Flüchtlingswelle war es der Stadt Köln nicht wichtig, dass Vereins- und Schulsport stattfinden konnte. Natürlich wurde die Stadt Köln mit der Unterbringung vor eine große Herausforderung gestellt, aber in anderen Städten hat man das besser geregelt – und auch andere Gesellschaftsbereiche haben sich beteiligt. Für kleine Vereine, die nur Angebote in einer Halle und sonst nicht hatten, war das existenzbedrohend.

Ein weiteres Beispiel sind die Abelbauten, in denen ja jetzt der Olympiastützpunkt für Boxen untergebracht wird. Schön, dass Köln den Zuschlag bekommen hat, aber für den Breitensport fallen jetzt wieder Hallenkapazitäten weg. Die Vereine müssen sich irgendwie arrangieren und Ausweichmöglichkeiten finden. Die Benachrichtigung seitens der Stadt war wieder sehr spät. Man hat das Gefühl, dass die Basis oft hinten runter fällt.

Ist die ehrenamtliche Arbeit in einem Verein in Ihren Augen bei all den Herausforderungen noch attraktiv für junge Leute?
Ehrenamtlichen Nachwuchs zu finden, ist nicht ganz einfach. Ich denke aber auch, dass es daran liegt, dass sich die Grundeinstellung zum Ehrenamt verändert hat. Ein Verein unserer Größe kann eigentlich auch nicht alleine von Ehrenamtlern geführt werden. Aber für andere Varianten muss auch erst einmal das Geld da sein.

Wir haben zum Glück viele Übungsleiter, die schon sehr lange dabei sind und sich mit den Gegebenheiten arrangiert haben. Aber für die Übungsleiter, die freiberuflich tätig sind, ist es ein Verdienstausfall, wenn der Kurs wegen einer gesperrten Halle nicht stattfinden kann. Wenn sich das über mehrere Wochen hinzieht, geht das ganz schön an die finanzielle Substanz. Hier möchte ich anregen, ob man für solche Situationen nicht eine Art Notfalltopf einrichten kann. So dass wir den Übungsleiter trotzdem einen Betrag zahlen können, der den Verdienstausfall zumindest ansatzweise auffängt.