Eine kurze Geschichte der Zeit in der „Sportstadt Köln“

08.05.2018: SC Lindweiler verzweifelt an städtischen Abläufen in Raum und Zeit

Symbolbild; Foto: LSB NRW I Andrea Bowinkelmann

Nicht eingehaltene Zeitpläne und vage Aussagen zu Fertigstellungsterminen sind nichts Neues in Köln. Dieses Unschärfe-Phänomen zeigt sich bei Oper, Brückensanierungen oder Kalkberg – und auch bei der Turnhalle Soldiner Straße. Die Halle wurde Anfang 2016 mit Flüchtlingen belegt und ist seit deren Auszug im April letzten Jahres wegen einer notwendigen Bodensanierung eine Baustelle. Erst kürzlich wurde festgestellt, dass der Boden der Geräteräume ebenfalls mit Asbest belastet ist und komplett ausgetauscht werden muss.

Eine verlässliche Planung für Schule und Vereine, wann sie in die Halle zurückkehren können, ist nicht möglich – immer wieder verschiebt sich der Termin. Auch die so existenziell wichtige Gewinnung neuer Mitglieder nach der Hallenbelegung erscheint ohne attraktive Sportstätte unrealistisch.

Wolfgang Kahmann, Vorsitzender des SC Lindweiler, der mittlerweile 50% seiner Mitglieder verloren hat, hält seinen Verein wegen der Sperrung der Halle seit über zwei Jahren mit Provisorien über Wasser: Trainiert wird in den Räumen zweier Kindertagesstätten – auch zahlreiche geflüchtete Kinder nahmen an den Sportangeboten teil. Ein Ende der Raumnot ist vielleicht nach den Sommerferien in Sicht, wenn die Bodenarbeiten abgeschlossen sind. Darauf verlassen will und kann er sich nicht: „Man kann der Stadt Köln nicht mehr glauben, die haben uns richtig hängen lassen“, sagt er. „Wir haben verschiedene Anträge geschrieben, damit die so wichtige Sportstätte schneller saniert wird: an den Veedelsbeirat Köln Lindweiler, an die Bezirksvertretung Köln-Chorweiler, und an den Stadtrat zur vorgezogenen Fertigstellung der Turnhalle.“ Erfolg hatten die Anträge keinen, Informationen gab es seitens der Stadt nur auf Nachfrage.

„Das Beispiel aus Lindweiler steht sinnbildlich dafür, wie respektlos die Stadt mit den Vereinen und wie unprofessionell mit der Hallen-Situation umgeht“, sagt Peter Pfeifer, Vorsitzender des Stadtsportbundes. „In Zeiten der Flüchtlingswelle war die Stadt Köln führend in der Belegung von Hallen und hat es bis heute nicht geschafft, alle Turnhallen an Schulen und Vereine zurückzugeben.“ Das sei ein klägliches Zeichen für eine selbsternannte Sportstadt. Pfeifer verspricht: „Wir als Stadtsportbund versuchen, dem SC Lindweiler – trotz leider nur begrenzter Möglichkeiten – zu helfen und appellieren an die Stadt Köln, dass aus der Sanierung der Soldiner Straße keine unendliche Geschichte wird.“